
Schluss mit langweiligen Portraits
ist euch aufgefallen, dass fast alle portraits langweilig sind? ich glaube, fotografen, die in ihren studios biometrische passbilder gemacht haben, haben gleich auch noch ein portrait mitgenommen.
nicht zufrieden mit dem portrait
es ist egal, ob ich mir firmenwebsites oder profilbilder bekannter influencer anschaue. meistens sind es entweder langweilige selfies oder diese eintönigen studioaufnahmen.
um das klarzustellen: ich rede nicht von den wenigen portrait- oder headshot-fotografen, die in ihren studios wunderschöne, kreative arbeit mit künstlichem und natürlichem licht machen. aber die scheinen in der minderheit zu sein.
kein studio, kein zauber
in einem studio ist es relativ einfach, kontrollierte beleuchtung einzurichten, mit der ein kreativer kopf fantastische und einzigartige bilder produzieren kann. aber was ist mit fotografen, die kein studio haben?
lara, mercedes studio münchen, 2024
natürlich kann man ein studio mieten. oder einen öffentlichen raum wie das mercedes studio in münchen nutzen. aber ich gehe lieber raus. dem licht nachjagen. und etwas neues entdecken.
auf der suche nach licht
bei der fotografie geht es eigentlich darum, die abstufungen des lichts einzufangen. wir fangen licht auf digitalen sensoren ein und nutzen es, um unser motiv in szene zu setzen. mit anderen worten: wir modellieren unser portrait mit licht. also müssen wir das richtige licht finden.
wohin kann ich gehen?
ich fotografiere gerne mit weichem, aber gerichtetem licht. zum beispiel habe ich einige portraits in der alten börse von palma (La Lonja) gemacht.
robinson, La Lonja, 2025
die großen gotischen fenster, die den offenen raum wie in einer kirche umgeben, bieten endlose möglichkeiten, mit licht jeder intensität und richtung zu spielen.
vanessa, La Lonja, 2025
ich habe jan hofer fotografiert, den bekanntesten ehemaligen nachrichtensprecher, in La Lonja. wenn ihr neugierig auf den ort seid, gibt es mehr darüber in meinem blog.
jan hofer, La Lonja, 2025
weitere optionen sind treppenhäuser von parkhäusern oder, wenn es dunkler wird, beleuchtete schaufenster. mein freund daniel mittermeier hat einmal gesagt: "schaufenster sind einfach große softboxen." und er hat absolut recht.
jennifer, low light portrait, 2025
werde kreativ
staten island ferry, 2024
diesen mann habe ich auf dem unteren deck der staten island ferry fotografiert. der hintergrund ist die öffnung der rampe. die lichter erzeugen einen perfekten rahmen und lenken den blick auf ihn wie zwei führungslinien.
dennis, parc del mar parking, 2025
sogar in parkhäusern kann man großartiges licht finden. oft von oben. das funktioniert meist nur, wenn dein motiv nach oben schaut. manchmal verstärkt durch führungslinien der kleinen anzeigeleuchten, die anzeigen, ob ein parkplatz belegt ist oder nicht.
sr. domingo, bar cristal, 2024
ich habe ziemlich viele aufnahmen in cafés gemacht. manchmal weil ich meinem motiv während eines shootings eine pause gönnen möchte, aber selbst weiter knipsen will. andere male bin ich auf einem fotospaziergang unterwegs, beschließe eine pause einzulegen und entdecke dann jemanden interessantes im café.
gio, cafe bar el zaguan (drinnen), 2024
jean-jacques, le clemenceau (st. tropez), 2024
wenn du nicht in der stadt lebst, oder wenn du besonders diffuses licht mit ein paar bokeh-highlights im hintergrund willst, probier es in der nähe von bäumen oder büschen. du bekommst fantastische tiefe, und wenn du mit offener blende arbeitest, fängst du trotzdem schöne details und tolles licht ein. hab keine angst, mit gegenlicht zu experimentieren — gegen die - teilweise verdeckte - sonne zu fotografieren kann atemberaubende ergebnisse liefern!
lara, prinzregentenplatz, 2024
geh einfach raus und erkunde. schnapp dir einen guten und geduldigen freund. nimm ihn mit raus. fotografiere ihn. beobachte, wie licht sein gesicht beeinflusst. denk über die komposition nach. den bildausschnitt. was du hervorheben willst, was du lieber verstecken würdest.
dennis, eingang parkhaus, 2025
es braucht zeit
ein outdoor-shooting dauert länger. aber für meinen persönlichen stil der portraitfotografie brauche ich diese zeit. ich möchte mein motiv kennenlernen (und ich hasse dieses wort). ich möchte herausfinden, wie ich sie porträtieren kann, ihre interessanteste seite finden. und normalerweise fange ich mit einem kaffee an. einfach drauflos fotografieren, was die atmosphäre auflockert. dann gehen wir spazieren. und jagen das licht.
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